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"To Be or Not To Be"

Das Photo wirkt wie eine bizzare Inzenierung von Shakespeares "Hamlet": Ein Mann in Bundeswehruniform hält einen Totenschädel hoch und grinst schief.
Das Bild, augenommen im Jahr 2003, fast zeitgleich mit den amerikanischen Misshandlungen im irakischen Abu Ghuraib Gefängnis, zeigt tatsächlich einen deutschen Soldaten, die Aufnahmen wurden in Afghanistan gemacht. Heute Morgen prankte es auf der Bildzeitung.

Noch hat das Bild in Kabul - außer westlichen Korrespondenten und Diplomaten - niemand gesehen, die Bevölkerung hat nur davon gehört und ist empört. Leichenschändung, denn genau darum handelt es sich hier, ist für Muslime ein noch wesentlich schlimmeres Verbrechen als für Christen. Jemandem aus Europa oder Amerika würde nie einfallen, diesen Vorfall mit den Folterungen durch Besatzungstruppen im Irak zu vergleichen. Für Muslime dürften die Vorfälle qualitativ näher beieinander liegen.
Natürlich gibt es auch andere Unterschiede, zum Beispiel hat die amerikanische Regirung die Misshandlungen möglicherweise angeordnet und wenn nicht begünstigt, die Bundesregierung hat mit Sicherheit keine Störung der Totenruhe gebilligt. Dennoch steht diese ganze "Sache" in Zusammenhang mit weiteren Vorfällen, die Deutschland in einem schlechten Licht stehen lassen, so der KSK-Soldat, der dem Deutschtürken Murat Kurnaz (der zu Unrecht und gegen jedes Völkerrecht zuerst in Afghanistan und dann in Guantanamo Bay festgehalten wurde), in einem amerikanischen Gefängnis in Afghanistan zugerufen hat: "Du standest wohl auf der falschen Seite." Der Soldat tat nichts um die Lage seines Landsmanns zu verbessern. Außerdem bleibt noch die undurchsichtige Rolle des deutschen Geheimdienstes BND, der, glaubt man den Gerüchten, Verdächtige zur Folterung nach Syrien überstellt hat, wenn man ihnen hier nichts nachweisen konnte. Die Rolle hochrangiger Mitglieder der Regierung Schröder bis hin zum Innenminister Schilly und dem damaligen Kanzleramtschef und heutigen Außenminister Steinmeier bei der Entführung des ebenfalls unschuldigen Marokaners el-Masri, der in Guantanamo gefoltert wurde, ist nach wie vor nicht geklärt.

Das alles belastet den Antiterroreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan, das politische Berlin muss sich die Frage stellen, ob die Verteidigung Deutschlands am Hindukush noch Sinn macht. Längst fahren Soldaten der ISAF-Schutztruppe nur noch in gepanzerten Fahrzeugen durch Kabul, weil die Anschlagsgefahr so hoch ist. Welche effektive Aufbauarbeit für die afghanische Bevölkerung kann da noch geleistet werden?

haut rein,
dave
25.10.06 20:57
 



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