Zimmerbrand!



  Startseite
  Archiv

http://myblog.de/theonlydave

Gratis bloggen bei
myblog.de





Das lebende Stilverbrechen

Es wäre Oberflächlich, seine Mitmenschen nur über ihr ihre Kleidung oder ihren Stil zu beurteilen. Es wäre unverschämt, sich über das Aussehen seiner Mitmenschen zu mukieren oder lustig zu machen - es sei denn, es gibt noch andere Gründe sie scheiße zu finden (wir wissen auf welchen Mitschüler, gegen den nur manchmal telekinetische Fähigkeiten wirken, ich hier anspiele...).

Aber manche Menschen lassen sich nur über ihren Stil definieren. Unser gegenwärtiger SoWi-Lehrer, ein Referendar, hat ein verblüffendes Talent, Woche um Woche, Tag für Tag in ein neues Fettnäpfchen zu treten. Herr Z. macht einen Unterricht, so unscheinbar wie seinerzeit Ge-Po bei Herrn Rogalski: Viele Zettel, viel Geschwaffel, wenig Ahnung. Im Gedächnis bleibt nichts außer der Tatsache, dass Benni ein Bonzenkind ist und das habe ich nicht durch Herrn Z. gelernt. Für anhaltendes Gelächter abseits von Z.s Blättern über Parteienfinanzierung und innere Demokratie sorgen allerdings seine extravaganten Outfits.

Ich hätte es aus rhetorischer Sicht schön gefunden, diesen Absatz mit "An seine absurden Hemden hatte man sich ja schon gewöhnt" zu beginnen, aber das wäre gelogen.
Die Hemden sind wohlwollend mit schräg, ehrlich mit scheußlich zu betiteln. Wir alle kennen das Hemd, das die Umrisse einer Weste in gruseligsten Farbtönen zeigt. Kombiniert mit der völlig unsinnig und unpassend wirkenden Brille, die ihn aussehen lässt wie eine mäßige Harry-Potter-Karikatur, bildete es für Monate das Bild, das man von Z. im Kopf hatte.
Getoppt wurde dies jedoch kurz vor den Herbstferien durch das weiße Hemd mit riesigen roten Rosen. Was sollte das?? Gekleidet wie ein schwuler Zwerg auf Brautschau versucht er den Sowi-Kurs zu leiten... Im Psychologiekurs ist es, nach dem was man so hört, an dem Tag zu tumultartigen Szenen gekommen...

Doch nach den Ferien ging das Grauen weiter: Herr Z. betrat die Schule in der Kombination Hemd mit Leopardenhalstuch. Dieses ungemein häßliche und geschmacklose Kleidungsstück wurde sogar von einer Lehrerin vor Schülern abfällig kommentiert. Wenig später stieg der Referendar dann um auf beige Rollkragenpullis. Zunächst wirte es wie eine Verbesserung, doch dann sog er zur Abrundug eine weiße Fransenweste drüber - das Gelächter war grenzenlos.

Zu erwähnen wären noch Z.s grundsätzlich viel zu enge Hosen, über die sich die Schülerinen in der ersten Reihe beklagen, und sein Prinzessin-Amidala-Etui (Star Wars).

Wir wollen den armen Mann nicht wegen seines Stils, für den Blindheit wahrscheinlich die einzige Entschuldigung wäre, fertig machen. Er ist schließlich auch ein ganz normaler Referendar: unfähig, uninformiert und unerfahren. Nehmen wir es ihm nicht übel und beenden wir diesen Eintrag mit einer Reihe von Z.-zitaten aus unserem Stufenforum.

"So ne Vogelspinne kann seeehr kuschelig und zärtlich sein."

" [...] Benedikt, das kommt dir nur negativ zugute."

Schüler: "Die bewerfen sich mit Cola!"
Z.: "Ja das sollte vielleicht besser nicht gemacht werden..."

"Ich habe noch andere schöne Sachen dabei... in der heutigen Stunde befassen wir uns mit der Bestrafung."


haut rein,
dave
2.11.06 17:46


"Uso spackt ab" - Novemberausgabe

Wir are back - Tacheles führt zum zweiten Mal seit der Premiere "Schnitzel geht immer oder Udo spackt ab", nach einhelliger Meinung von Zuschauern und Schuspielern die beeindruckenste Produktion der JKS-Gruppe, auf. Für alle die dieses Stück noch nicht gesehen haben hier die Daten der Sonntäglichen Aufführung:

JKS presents A Tacheles Production:
"Schnitzel geht immer oder Udo spackt ab"
Sonntag, 12. November 2006
18 Uhr
Theaterraum der Jugendkunstschule Unna

Es ist allerdings anzuraten frühzeitig da zu sein. Je nachdem wie voll es wird (einen Überblick über die erwartete Anzahl Zuschauer kann ich mir bei der Probe am Donnerstag verschaffen), werden die Türen möglicherweise schon lange vor 18 h geschlossen, wer schon um halb6 da ist, ist klar im Vorteil, weitere Infos folgen.

haut rein,
dave
6.11.06 22:37


Idioten zu später Stunde

Wer 7 Minuten Zeit hat sollte sich vor der Lektüre des heutigen Eintrags bitte den folgenden YOUTUBE-Clip anschauen, es lohnt sich!



Man fragt sich, warum RTL keine Strafverfolgung wegen Betrugs fürchten muss, denn genau darum handelt es sich. Die frech in die Kamera gegrinste Lüge, die Karten seien "1a gemiascht" lassen jeden Gedanken an ein Versehen verblassen, mit voller Absicht ist hier der Zuschauer getäuscht worden. Oder hat er sich täuschen lassen. Kann man sagen, wer darauf reinfällt, ist doch selber Schuld?

Die ungemein dreiste RTL-Betrügerin ist schließlich nur die Spitze des Eisbergs: Auf DSF stellen zu noch früherer Stunde nackte Dilettantenschlampen Fragen wie "Welches Wort suchen wir, es fängt mit Box- an?". Die Antwort lautet dann meist "Boxlaterne" oder "Boxanlage". Über die Dreistigkeit von Deutschlands erstem Betrugssender 9Live will ich gar nicht sprechen, auch nicht von dem, was Tele5 zwischen den schlechten Filmen fragt.

Das Problem ist die Dummheit der Leute, die dort anrufen und mit jedem Anruf 49Cent (im 9Live-Jargon "Eine Mark") in die Kassen des Senders vom eigenen Konto pumpen. Man sollte jeden, der ein Telefonanschluss hat, zu jährlichen Antiidiotie-Seminaren verpflichten (auf Kosten der Telekom, wer 30000 stellen streicht kanns sich leisten), damit die Bildungsunterschicht und dumme Hausfrauen (nicht alle Hausfrauen sind dumm!) nicht total verarmen. Es muss vermittelt werden, wie sinnlos, dumm und verrückt ein Anruf beim Mitmachquiz oder der Astroshow ist.
Wobei der Nachteil einer solchen Erziehung zum "Verantwortungsbewussten Telefonbenutzer" natürlich darin liegt, dass es nach der dann zu erhoffenden Pleite von 9Live und Co für uns wesentlich weniger zu lachen gäbe.

haut rein,
dave

P.S. Gott sei Dank hab ich den Eintrag vorm Post noch Mal durchgelesen, sonst hätte ich tatsächlich "Dummerheit" statt "Dummheit" geschrieben. Und ich mach mich über die Bildungsunterschicht lustig...
8.11.06 20:23


Dessert im Haar

Seit "Schnitzel geht immer" weiß ich, wie man sich fühlt, wenn man penetrant nach Dessert richt (der extreme Erdbeer-Vanille-Geruch war nach der letzten Aufführung auch nach dreimaligem Duschen noch deutlich an mir auszumachen). Der übermäßige Kontakt mit Blut und Eiter hat auch eine kehrseite.
Schluss mit dem Tacheles-Insiderhumor! Mit diesen ersten Sätzen wollte ich nur meine mittlerweile tiefe Zuneigung zu Nachspeisen in meinem Haar zum Ausdruck bringen, welche in gewissem Zusammenhang mit meiner neuen Frisur steht. Denn meine neuerdings kürzeren Haare, jetzt flächendenkend nach oben gegelt werden mit einem anderen Haarpflegeprodukt behandelt als zuvor.

Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, meiner Frisur eine Radikalkur zu verpassen, ich wollte eingentlich beim Standart (Haare platt - Pony hoch) bleiben. Doch meine Mutter hatte in irgendeiner Testzeitschrift die guten Noten für Plus' Gel gesehen und beschlossen, davon gleich einen Jahresvorrat anzulegen. Nun öffnete ich nichts ahnend die rosafarbene Tube (eigentlich hätte mich schon die Farbe abschrecken müssen) mit "Hairwell Styling Gel ultra strong". Da stieg mir ein eindeutig bekannter Geruch in die Nase: Erdbeer! Eindeutig Erdbeer. Auf der Packung findet sich kein Hinweis auf die "Geschmacksrichtung" meines Haarpflegeprodukts, aber der Geruch ist einwandfrei da und weckt Erinnerungen an meine monatlich wiederkehrenden Kontakte mit Desserts, namentlich mit Erdbeerkaltschale. Aus einem spontanen Impuls heraus beschloss ich meiner Kopfzierde eine neue Form zu geben und dabei wesentlich mehr von dem chemisch-gut riechenden Zeug zu verbrauchen, als sonst nötig gewesen wäre.
Allerdings macht es mir etwas Sorgen jetzt ständig mit penetrantem Erdbeergestank durchs Leben zu wandeln...

Ein Eintrag über die Entstehung meiner Frisur - irgendwie etwas merkwürdig. Aber ich lass ihn besser drin, einfach um nochmal auf die "Schnitzel geht immer"-Aufführung diesen Sonntag (18 Uhr), diesmal wieder mit der ganzen schwulen Kommunistenbande, und auf mein verbessertes Aussehen hinzuweisen. Das nächste Mal vielleicht etwas über die Entwicklung der "Porno-Locke" (analog zu "Schnitzel geht immer" auch gerne "Charakter-Locke" genannt), die gelegentlich meine Stirn ziert. Obwohl... eher nicht.

haut rein,
dave
10.11.06 21:05


NPD Parteitag in der "Reichshauptstadt"

Es hat kaum einer mitgekriegt, aber dieses Wochenende fand in Berlin der erste Bundesparteitag der NPD in der "Reichshauptstadt" statt. Mehr oder weniger unter Auschluss der Öffentlichkeit - die streng kontrollierten Journalisten durften nur einem Teil der Veranstanltung beiwohnen - tagte die NSDAP-Nachfolgeorganisation im Märkischen Viertel. In der Halle: 500 Deligierte. Davor: nur 400 Gegendemonstranten. Parteien und Gewerkschaften hatten tausende angekündigt. Niemand regt sich mehr über die Braunen auf.

Übergriffe auf Ausländer haben in den Regionen Ostdeutschlands, wo es noch welche gibt, zugenommen, die Politik und vor allem die Bevölkerung schauen weg. In Mecklenburg-Vorpommern sitzt die NPD seit Kurzem im Landtag. In Sachsen hat sie beinahe genauso viele Stimmen wie die SPD erhalten (die sich mit rund 9 % aber auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat). In Brandenburg sitzt die zweite rechtsradikale Partei, die DVU, schon zum zweiten Mal in Folge im Landtag. Jüngst erst hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung auf die gestiegene Zuneigung der Bevölkerung zu rechtsradikalem Gedankengut hingewiesen. Der ARD_Deutschlandtrend konnte in seiner letzten Umfrage bei über der Hälfte der Befragten Unzufriedenheit gegenüber der Demokratie erkennen, was immer das genau bedeuten mag.

9% der deutschen werden laut neuesten Studien als rechtsradikal eingestuft, einzelne rechtsradikale Thesen sind viel weiter verbreitet (Führerprinzip, Antisemitismus, Herrenmenschenwahn). Tröstend höchstens, dass die Nazi-Ideen vor allem bei Männern mit niedrigem Bildungstandart über 60 verbreitet sind - die haben die längste Zeit unseren Volkskörper vergiftet, um sich mal der Spraczhe des selbsternannten Dritten Reichs zu bedienen.

Intressant: Wo die NPD bei soviel Wählerpotential tatsächlich die Chance hätte republikweit Schaden anzurichten, stellt sie sich selbst ein Bein: Die "Nationalen", die heute noch erklärten, bei den nächsten Bundestagswahlen in den "Reichstag" einziehen zu wollen, werden kaum einen ordentlichen Wahlkampf (inklusive politische Gegner verprügeln?) finanzieren können, denn der Bund fordert jetzt 863.000 Euro an Parteienfinanzierung zurück. Wei die thüringische NPD in den 90ern parteispenden falsch verbucht hat will Deutschland sämtlihe staatlichen Zuwendungen aus den Jahren 1998/99 zurück. Schade, Pech gehabt, ihr rechten Säue!

Noch eine Annekdote vom NPD-Parteitag: Ein ausländischer Gastredner (der Führer der portugisischen Nazis), der seine Rede in englischer Sprache mit Dolmetscher von der NPD gehalten hatte, beendete seinen Vortrag mit den deutschen Worten: "Heil Deutschland! Heil NPD" Der Dolmetscher übersetzte (die schon deutschen Worte) mit "Hurra Deutschland! Hurra NPD!" Man will ja nicht den Eindruck erwecken, man wär Nazi...

haut rein,
dave

Quellen: Spiegel ONLINE, tagesschau.de, Westfälische Rundschau
13.11.06 00:13


Untitled

In einem Gefängnis wird ein 20-Jähriger Gefangener geschlagen, getreten, nächtelang misshandelt und evrgewaltigt. Man zwingt ihn, Urin aus einem Toilettenbürstenhalter zu trinken, sein eigenes Erbrochenes zu essen. Schließlich wird er brutal ermordet. Das klingt nach einem Folterbericht aus dem Irak, vielleicht aus Guantanamo Bay. Es hört sich an, wie eine Beschreibung der Zustände in einem chinesischen Umerziehungslager oder in einem syrischen Gefängnis. Es ist aber Realität in einer nordrhein-westfälischen Jugend-JVA.
Die Täter waren nicht Wärter oder Verhörexperten sonder Mitgefangene. Doch Wärter sahen weg. Sie reagierten nicht auf die Rufe, auf den Lärm aus der Gemeinschaftszelle, ließen sich von den Tätern abspeisen, als der "Bedürfnisknopf" gedrückt wurde.

Der junge Mann, der wegen Diebstahls mit Waffen einsaß wurde von seinen Peinigern gezwungen, sich aufzuhängen. Nachdem er anderthalb Minuten am String gehangen hatte, prügelten sie ihn zurück ins Leben um ihn anschließend erneut zum Suizid zu zwingen. Diesmal konnten sie ihn nicht wieder wecken. Doch die Beamten, die den Toten am nächsten Morgen fanden, erkannten den Mord nicht. Trotz der Rufe am Vorabend, trotz des nächtlichen Lärms aus der Zelle, über den sich andere Insassen beschwert hatten, glaunbten die Wärter der Darstellung der Mörder, die von einem Selbstmord des 20-Jährigen sprachen. Es dauerte Tage, bis bei der Opduktion die Spuren der Misshandlungen auffielen, die Staatsanwaltschaft zu ermitteln begann.
Ich will nicht darüber nachdenken, wie die drei Täter, selber zwischen 17 und 20 Jahre alt, zu dieser Tat fähig sein konnten, ich will nicht die Seele dieser Menschen sizieren, will nicht die Abgründe kennen, die sich da auftun. Beim Gedanken an die Mörder überkommt mich Ekel.

Aber ich stelle nach dem Versagen des Strafvollzugs. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten spricht seit langem von der Unterbesetzung deutscher Gefängnisse und welche Folgen das haben kann. Ein Umstand, auf den das Bundesverfassungsgericht im mai 2006 in einem Urteil hingewiesen hatte. Die Richter hatten ein eigenes Gesetz zum Jugendstrafvollzug und bessere Zustände in den Haftanstalten gefordert. Hätte man auf sie gehört wäre der von der Presse Hermann H. genannte Häftling vielleicht noch am Leben.

Gerade in der Siegener Anstalt, in der sich der Mord ereignete, haben nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter und Häftlinge schlechte Zustände geherrscht. Der Direktor führe seine Anstalt im Stile der 50er Jahre, zitiert SpiegelONLINE einen Wärter. Ein entlassener Insasse, wegen eines Drogendeliktes verurteilt, sieht das Problematik an den vielen rechten Gefangenen in der Siegener Anstalt. Ein drogenabhängiger Verlierer wie Henning H. stellt für diese Menschen ein Feindbild und leichtes Opfer dar. Viele aus dem Drogenmileu seien froh, wenn sie als Erwachsene verurteilt und im Erwachsenenvollzug einsitzen müssen. Hier sind die Gefangenen weniger auf Krawall aus, wollen nur ihre Strafe absitzen.

Das nordrhein-westfälische Justizministerium, verantwortlich für die schelchte Finanzlage der Gefängnisse und die teilweise viel zu hohe Belegung der Zellen hat eine Nachrichtensperre verhängt. Niemand, weder vom Ministerium, noch von der Staatsanwaltschaft (die noch nicht entschieden hat, ob sie gegen Mitarbeiter der JVA ermitteln wird), noch vom Gefängnispersonal dürfen mit der Presse sprechen. Einzig ihren Rücktritt hat die Ministerin bereits ausgeschlossen.

haut rein,
dave
17.11.06 23:56


Hinweis für alle in meiner Stufe

Am 12. Januar 2007 findet nun unsere Stufenparty im Beo statt.
Da in naher Zukunft die Karten gedruckt werden müssen (Preis vorraussichtlich 5 EUR), wird es Zeit, eine Entscheidung über unser diesmaliges Motto zu fällen. Weil beim letzten Mal nicht alle mit dem Motto einverstanden waren, bitten die Verantwortlichen euch jetzt um konkrete Vorschläge im Stufenforum. Wer keinen Vorschlag macht, darf sich hinterher nicht beschweren, wenn ihm das Motto nicht gefällt. Deshalb ist es sinnvoll, wenn auch Leute, die die Seite sonst nicht benutzen, mal vorbeischauen.

Link zum Stufenboard

haut rein,
dave
18.11.06 19:16


Pardon, I don't speak French.

Der folgende Eintrag entsteht im Vorfeld meiner zweiten Französischklausur. Infolge des Wiederholens der mehr oder weniger sinnvollen Grammatikregeln dieser Sprache habe ich mich tatsächlich etwas mit der Sprache befasst, die unsere verschrobenen Nachbarn sprechen.

Im Vorfeld des Irakkrieges, als die Amerikaner sich ungemein auf einen kleinen schnell gewonnen Krieg freuten (bin ich der einzige, dem das Lachen im Halse stecken bleibt?) und gleichzeitig darüber einigten, dass manche Europäer und ganz besonders die Franzosen aus nicht unbedingt moralischen Gründen versuchten, ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen, verbeiteten "patriotische" Fernsehprogramme und Zeitungen in Amerika böswillige Unterstellungen über die Franzosen. In der Folge begannen Amerikaner vor laufender Kameras grinsend französischen Wein in Gullis zu kippen und benannten die French Fries kurzerhand in Freedom Fries um (großer Unsinn, denn nicht die Franzosen haben die Pommes erfunden, sondern die Belgier). Grundsätzlich bekam man den Eindruck, dass die Amis die Froschfresser abgrundtief hassten, besonders weil in Hollywoodfilmen jeder zweit Bösewicht einen französischen Akzent hat.

In Wahrheit hassen die Franzosen alles englische oder Amerikanische noch viel mehr, besonders die englische Sprache ist ein absolutes Feindbild für die Franzosen, viel zu billig, einfach und logisch. Aus diesem Grund beschloss man 1994 ein Gesetz zum Schutz der französischen Sprache. Neben Quoten für französische Musik im Radio sieht dieses Gesetz ein Verbot von Anglizismen (englischen Lehnwörtern) in der Schriftsprache vor. Die Regel betrifft nur englische Wörter, deutsche Wörter wie "le waldsterben" sind davon nicht betroffen und werden auch weiterhin gerne vom französischen Umweltministerium genutzt. Besonders unsinnig ist die Ant-Anglizismen-Regelung, wenn Wörter, die schon seit Jahrzehnten im Französischen verankert sind wie "week-end", das Behördenfranzösisch hat extra das Wort "vacancelle" erfunden, was kein normaler Franzmann jemals benutzt.

Unabhängig davon muss ich den Französischunterricht in NRW-Schulen kritisieren: Denn nach einem Vierteljahr "cours intensif" kann ich zwar erzählen, as der Kunde in einer l'epicrie kaufen kann (une avocat, deux salads et un camenbert), aber wirklich wichtige Phrasen wie "Ich spreche kein Französisch" (ich müsste mir in Frankreich mit "non francais!" behelfen), "Wo gibt's Wein", "Atomare Abrüstung" und "Fick dich und deine ganze Generation, Hurensohn!" (besonders wichtig in Pariser Vororten) kann ich in dieser Sprache leider noch nicht konstruieren.

haut rein,
dave
22.11.06 23:31


Das hätts bei uns nicht gegeben

Woran merkt man, dass man alt wird? Vergesslichkeit? Falten? Der Verlust von Haaren?
Nun, das untrüglichste Zeichen ist das ständige Beschweren über die "Jugend von heute". Und die hat es in sich. Die 10-13 Jährigen, die mittlerweile unsere Schule unsicher machen - ein Lehrer bezeichnete sie vor einiger Zeit als "gehirnamputierte, tötungsfantasieneregende niedere Existenzen - zwingen mich dazu, diesen Satz jetzt zu gebrauchen.

Wildes Fangenspiel in der Schulstraße ohne Rücksicht auf eigene, gegnerische und Verluste von unbeteiligten Zivilisten (Oberstufenschülern, im Armeejargon: Kollateralschaden) ist an der Tageordnung. Wer zufällig einen älteren Mittschüler anrempelt oder (so fett wie die Kleinen sind nicht ausgeschlossen) umrennt folgt nicht eine Entschuldigung auf Knien oder ein schnelles das Weite Suchen, wie es zu meiner Zeit der Fall gewesen wäre, sondern meist noch eine Beleidigung. Diese Einsdreisigasis halten sich für die übelsten Player/Styler/Gangsta und für die Kings der Schule oder vielleicht sogar der Welt. Wegen dieser Menschen ist gepflegtes Kaffeee/Kakao Trinken während der Pausen eine Unmöglichkeit - gut, ich mag das Zeug eh nicht und habe mich längst auf Eistee aus sicheren Tetrapacks verlegt, aber ich habe schon oftgenug Freunde mit mit Kaffe besudelten T-Shirts gesehen.

Ein Jammern geht durch die Schule. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir hatten angenommen, wenn wir "groß" sind, würden die Kinder immer mindestens drei Meter Sicherheitsabstand halten, wie wir das damals gemacht haben. Stattdessen stellten wir kürzlich beim betreten der Pausenhalle fest, dass die traditionelle "Elferbank" von Fünftklässlerinnen (!) belegt war. Auch höffliche Bitten und sanfte Drohungen brachten sie nicht dazu, die Bank zu räumen, sie lachten uns vielmehr aus (okay, man muss dazu sagen, dass Epp die Verhandlungen von unserer Seite führte).

Das hätte es zu unserer Zeit nicht gegeben! Früher war alles besser (nur eben nicht für uns)! Aber man kann diese Kinder einfach nicht zur Räson bringen, Gewalt gegen so wehrlose möchte man nicht anwenden (obwohl manchmal durchaus berechtigt) und für Worte und Argumente sind sie offenbar ebenso wenig zugänglich wie für Ironie oder unterschwellige Beleidigungen. Aber ich weiß mich zu wehren: Am Colaautomaten stelle ich mich ab jetzt grundsätzlich vor allem unter 14 an. In den Pausen rempel ich bewusst jedes Kind an und gebe mir keine Mühe, es wie ein Versehen aussehen zu lassen. Der Kampf hat begonnen. Sie wollen uns aufs Altenteil schicken, noch bevor wir die schulische Ausbildung abgeschlossen haben. Das lass ich mir nicht gefallen. Keine Macht für diese respektlose Brut!

haut rein (möglichst einem Kind in die Fresse*),
dave

*alle Gewaltaufrufe gegen unter 14Jährige und Trang in diesem Eintrag sind nicht ganz ernst gemeint
25.11.06 22:43


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung